Foto: Blick aufs Haus der Kulturen der Welt: "Enthüllung der Non-Violence-Skulptur im Garten des Bundeskanzleramtes", 2 x 2,60 m.

 

Berliner Situationen


Das Künstlerpaar Römer + Römer in der Galerie Schultz

Berliner Zeitung vom 09.02.2006

Ingeborg Ruthe

Kein Zweifel, es muss sich bei diesem Motiv von fein angezogenen Leuten vor dem Haus der Kulturen der Welt um ein Foto handeln. Um eine Dokumentation gewissermaßen. Und doch ist es Malerei - eindeutig Öl auf Leinwand, damit nicht mehr Dokument, sondern die zweidimensionale Farbe-auf-Leinwand-Illusion eines Sommerfestes im Kanzlergarten. Aber die Farben verfließen und flecken wie bei einem Computerbild, die pixelig-raue Ansicht der Oberfläche ist zunächst recht merkwürdig anzuschauen. Ein akkurater Betrachter würde sagen, das Bild ist versaut.

Doch trotz dieser optischen Irritation ist das Bildpersonal noch ganz gut auszumachen: Die Pressefotografinnen in der Mitte wurden schon oft gesehen - ebenso wie die Damen vorn. Der Mann vorn links ist jedenfalls ganz unverkennbar der Grafiker und Schröder-Freund Klaus Staeck (das Fest fand im Frühsommer 2005 statt).

Das in Berlin lebende Künstlerpaar Römer + Römer - sie heißt Nina und ist Russin, er heißt Torsten und ist Deutscher, zusammen studierten sie in Düsseldorf in der Klasse Penck - malt immer solche realistischen Szenen, denen digitale Fotografie zu Grunde liegt und die das Reale dann ins Surreale treiben. Die beiden passen mit Vorliebe Berliner Straßenszenen, Feste, Kneipensituationen, Spielplatz-, Sport- und U-Bahn-Motive einer computerstilisierten, manipulierten Realität an. Bevor das Bild in Hochglanzästhetik mit maximaler digitaler Auflösung erscheint, werden geschickt einzelne, sich überlagernde Flächen in Öl- oder Acrylfarbe auf die Leinwand übertragen. Vorder- und Hintergrund greifen ineinander, Konturen scheinen zu verlaufen. So viel zur Technik dieses Bildermachens.

Mindestens ebenso spannend ist das Thema, das die Römers zuerst mit der Kamera durch Berlin treibt und hernach ins Atelier an den Computer, an die Farbtöpfe und Leinwände: Sie nennen ihre erste große Einzelschau "Café-Bistro-Hauptstadt", und für das hier abgebildete Motiv war weniger das Kanzlergartenambiente wichtig als das gegenüberliegende Haus der Kulturen - Synonym für Multikulti in Berlin.

Und so folgen denn auch in der Ausstellung weitere Ansichten türkisch-deutscher Imbisse, Bistros, Cafés, von kopftuchtragenden Frauen, asiatischer Blumenverkäuferinnen, schwarzer Taxi-und weißer Rikschafahrern und abenteuerlicher Punks. Alles Bilder, deren Konturen ebenso verlaufen. Alles ziemlich melancholisch. Das Multikulturelle in Berlin ist nicht stabil, eher desolat, wollen die Künstler sagen. Es ist keine Klage, auch keine Warnung. Nur eine Feststellung.

Galerie M. Schultz, Mommsenstr. 34, bis 18. 3., Di-Fr 11-19/Sa 10-14 Uhr, Telefon: 319 91 30.

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