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Peter Funken
Emotion und Rationalität - über die Kunst von Nina und Torsten Römer

Orte – Berlin und das Reisen

An einem sonnigen Tag im Oktober 2010 ein Besuch im Atelier von Römer + Römer:
Das Künstlerpaar arbeitet in einem großen Studio im zweiten Stock eines alten Berliner Fabrikgebäudes in Berlin-Kreuzberg, einem der vielen Backsteinbauten, die in der Gründerzeit, während der Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Heute beherbergt das Haus Künstlerateliers, Architektur- und Designbüros und im hinteren Bereich einen angesagten Club. Das Gebäude ist umstellt von Architekturen späterer Epochen: Schlichte Wohnblocks und sachliche Firmengebäude wurden seit der Nachkriegszeit in der so genannten Südlichen Friedrichsstadt gebaut, nachdem die Bomben das gesamte alte Quartier ausradiert hatten. Kaum 200 Meter entfernt zerschnitt bis 1989 die „Mauer“ die Stadt und mit ihr den Bezirk bis 1989. In unmittelbarer Nähe befand sich der Grenzübergang „Heinrich-Heine-Straße“. Nahe des Ateliers von Nina und Torsten Römer liegt auch der Moritzplatz, wo Künstler wie Helmut Middendorf, Rainer Fetting, Bernd Zimmer und Salomé – die „Moritzboys“ – Ende der 1970er Jahre die „heftige Malerei“ erfanden und in einer Selbsthilfegalerie ausstellten. Mittlerweile verändert sich ­diese Gegend des ehemaligen SO 36 zusehends. Mit einem Kulturkaufhaus, Verlagen und einer urbanen Landwirtschaft entstehen neue Möglichkeiten und Perspektiven in diesem nicht besonders wohlhabenden, aber interessanten Teil von Kreuzberg.
Im Studio von Nina und Torsten Römer herrscht Ordnung. In Hunderten von Margarinebechern, die exakt ausgerichtet auf Tischen stehen, bewahren die Künstler Farben und Pigmente auf. Pinsel, Malmittel und Farbtuben liegen ausgerichtet daneben. Dahinter steht ein Computer. Er ist ein wichtiges Arbeitsgerät der Künstler. In ihm sind die Vorlagen für ihre Malerei gespeichert, die sie fotografiert haben. Auch eine Fotokamera liegt in Reichweite. Durch die breite Fensterfront scheint die Sonne in den hohen Raum, an dessen Wänden sich etliche große und mittelgroße Bilder reihen. Im guten Licht nahe der Fensterfront stehen zwei auf Keilrahmen gespannte Leinwände, an denen Nina und Torsten Römer gerade arbeiten. Ihr Studio ist auch Treffpunkt, hier gibt es ein paar Sessel, ein Sofa und eine Bar, sogar eine Tischtennisplatte steht im Raum.
Römer + Römer, das ist ein Künstlerpaar mit Sitz in Berlin, darüber hinaus steht Römer + Römer für ein Malkonzept, eine Façon, Dinge und Wirklichkeit zu sehen und malerisch zu formulieren. Malerei, so wie sie Nina und Torsten Römer betreiben, ist eine Reflexion der gesellschaftlichen Wirklichkeit in der Stadt, in der sie leben und in der Welt, die sie bereisen. In ihrer Kunst drücken die Römers zum einen ihr Lebensgefühl aus und zeigen zum anderen die sozialen Verhältnisse, die sie in Berlin wahrnehmen und überall dort, wo es sie hintreibt. Das waren in den letzten Jahren viele Länder auf fast allen ­Kontinenten. Ihre Reisen führten sie nach Süd-Korea, Russland und Marokko, in die USA, die Türkei und die Emirate, nach Armenien, England, Frankreich und Polen, nach Italien, China, Israel und Japan. Dabei reisen Römer + Römer immer in eigener Sache, im selbst gewählten Auftrag ihrer Kunst, kaum als Touristen, und doch mit der Fotokamera im Anschlag, um Menschen, Situationen und Dinge festzuhalten, die ihnen auffallen, die sie berühren und bewegen, die ihnen neu oder fremd sind, oder an etwas erinnern. ­Diese Art des Reisens lässt an Expeditionen und Unternehmen denken, die in früheren Zeiten wissensdurstige Forscher und Weltenbummler unternahmen, etwa Fürst Pückler, Georg Forster, Lord Byron oder Johann Gottfried Seume. Es waren Künstlernaturen, die auf ­eigene Faust ­reisten, Erfahrungen im Neuland suchten, um davon zu berichten. Wenn auch mit höherer Geschwindigkeit und mehr Annehmlichkeiten unterwegs als die Reisenden im 18. und 19. Jahrhundert, so treibt Nina und Torsten Römer doch eine ähnliche Mission, denn auch sie entdecken Neues und Unbeschriebenes auf ihren Fahrten in die globalisierte Welt, in der sich permanent Veränderungen, Brüche und Möglichkeiten ­auftun, in der das 20. Jahrhundert bereits längst zum Gestern zählt, und der Aufbruch in die Zukunft oft von Unvorhersehbarem, Unsicherem und Kurzzeitigem begleitet ist. Die ­subjektiv erlebte Wirklichkeit in einer sich rasant verändernden Welt voller Dynamik und komplexer Neugestaltung halten Römer + Römer mit ihren Fotografien fest, die sie ­später als Material für ihre Malerei nutzen, die im Berliner Studio entsteht.
Man merkt ihren Bildern an, dass die beiden Künstler staunend unterwegs waren, und doch stießen sie dabei auch immer wieder auf Bekanntes – etwa auf Reklame­flächen, die ein braunes Erfrischungsgetränk anpreisen, auf Werbung für Internet-Cafés und Kommunikation, die mittlerweile tatsächlich so etwas wie ein „globales Dorf“ haben entstehen lassen. Typisch für die Malerei der beiden Künstler ist es, dass sich in ihren ­Bildern der Alltag einer heute alle und alles erfassenden Globalisierung zu erkennen gibt. Gleich ob in Korea, Marokko, Bologna oder in Berlin – Reklame und Werbung sind sich überall auf der Welt ähnlich, sie bilden eine Art optischen Hintergrundrauschens in den Metropolen, genauso wie in den Provinzen. Zugleich erscheint diese Welt, das ­„elektronische Dorf“ von dem Marshall McLuhan sprach, in den Bildern der Römers sehr unterschiedlich und wie neu gesehen. Dies ist – jenseits der Tatsache, dass sich Kontinente und Länder voneinander unterscheiden – das Ergebnis genauen Hinsehens und der künstlerischen Notwendigkeit des Vergleichens und Unterscheidens. Keineswegs sind die Arbeiten von Römer + Römer exotisch im Sinne einer Verklärung – vielmehr sind es wirklichkeitsnahe Darstellungen zu den Bedingungen subjektiver und technischer Malprozesse. Dies erkennt man, wenn man ihre neue Serie mit Demonstrationsszenen aus Berlin anschaut, die eine politische Party auf der Karl-Marx-Allee und Demonstration von Schwulen und Lesben zeigen. Die leuchtenden Farben und das strahlende Licht, das ihnen in Asien oder Nordafrika auffiel, erkennen sie auch bei einem Rockfestival in Polen oder bei einer Parade gegen das Media Spree Projekt in Berlin. Farbdifferenzierung und Lebendigkeit in den Kompositionen sind vor allem als Resul­tate ihrer auf Fotografie basierenden Malerei zu begreifen, eines Realismus, der durch Fototechnik und gekonnte malerische Umsetzung entsteht. Nina und Torsten Römer arbeiten als moderne Chronisten in einer Welt des Umbruchs, in einer Phase gleichzei­tiger Ungleichzeitigkeit, in einer hybriden Verfassung, deren Entwicklung und Zukunft völlig offen sind. Berlin ist deshalb auch der passende Ort für die Produktion ihrer Kunst, denn die Stadt weist aufgrund ihrer komplizierten Geschichte alle Eigenschaften der Ungleichzeitigkeit auf, sie ist ein Ort der Brüche, der unvermittelten Übergänge, doch besitzt sie auch die Fähigkeit zur Veränderung und die Offenheit für Zukünftiges.

Kennen und Lernen

Begegnet sind sich die beiden Künstler zuerst in Düsseldorf an der Kunstakademie, wo der aus Aachen stammende Torsten Römer bei dem Maler Siegfried Anzinger studierte. Nina Tangian, die mit 12 Jahren von Moskau nach Deutschland kam und zeitweise in Frankreich lebte, lernte Torsten auf der Jahresausstellung der Akademie kennen, am 15. Februar 1998. Torsten Römer antwortete damals auf Ninas Frage, ob er ihr erklären könne, wie er arbeite, was er male, mit der Bemerkung, sie solle doch einfach einmal in sein Atelier kommen, dort könne er ihr seine Bilder erklären. Aber, so meinte er, Nina ­solle unbedingt einen toten Hasen mitbringen. Dies war natürlich eine Anspielung auf Joseph Beuys, den wohl bekanntesten Professor der Akademie, der bis zu seinem Rausschmiss 1972 in Düsseldorf gelehrt hatte. Torsten Römer hatte an dessen Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (Galerie Schmela, Düsseldorf, 1965) gedacht, nur brachte sie bei ihrem Besuch anstatt des Hasen ein tief gefrorenes Huhn mit – ein Multiple, das sie einem Kommilitonen für 5 DM abgekauft hatte. Was die beiden mit dem Huhn gemacht haben, ist unbekannt, doch seit dieser Begegnung waren Nina und Torsten Römer ein Paar fürs Leben und in ihrer Kunst. Ziemlich bald begannen sie zusammen zu arbeiten, auch studierten beide bei A.R. Penck, der sie als Künstlerpaar akzeptierte und ihnen die Freiheiten ließ, die sie brauchten. Ihre ersten gemeinsamen Malversuche gestalteten sich nicht immer einfach, wie das Duo heute erzählt, man musste sich erst genau kennen lernen und aufeinander einspielen. Zwei Welten begegneten sich auf einer Bildfläche. Um zusammen malen zu können, mussten die beiden Individualisten aufeinander zugehen, Bilder und Themen entwickeln und zusammen Ausdrucksformen erfinden. Zu dieser Zeit entstanden die ersten gemeinsamen Kompositionen, jeder der beiden fügte Anteile hinzu oder übermalte Entwürfe und Passagen des anderen. Sie haben sich damals manchmal darüber geärgert, wenn ein gelungenes Motiv oder ein Bildelement über Nacht verschwunden war, weil der andere etwas Neues darüber gesetzt hatte, erzählen die Künstler, doch zunehmend habe die Kooperation funktioniert, Spaß gemacht und so erst sei eine gemeinsame künstlerische Entwicklung möglich geworden.
Römer + Römer sind nicht das einzige Künstlerpaar, das die Moderne und ihre Kunst hervorgebracht hat. Berühmte Beispiele für das Zusammenwirken von Künstlern sind etwa die Briten Gilbert & George, ebenfalls arbeiteten Marina Abramovi ´ c und ihr Gefährte Ullay mehrere Jahre intensiv miteinander, man denke an die Künstlerpaare Emilia und Ilya Kabakov oder an Christo und Jeanne-Claude, die stets gemeinsam auftraten. Als Paar künstlerisch produktiv zu arbeiten, setzt voraus, dass neben Harmonie auch Spannung zwischen den Partnern existiert, dass man einen tragfähigen Plan oder ein Konzept entwickelt, damit sich das Gemeinsame in einer Entwicklung ereignet, dass man füreinander aufmerksam bleibt, sich jedoch dabei nicht allzu sehr ab- und ausgrenzt. Mit der Moderne entstand der Typ des radikal individuell agierenden Künstlers, ein Paar hingegen spiegelt sich in einer doppelten Anwesenheit. Gewiss geschieht das nicht in totaler Symbiose oder der Abhängigkeit von siamesischen Zwillingen, eher schon wie eine eigenständige Monade, am besten jedoch als eingespieltes Team mit gemeinsamen Zielen, das seine Kraft aus gegenseitiger Unterstützung gewinnt.

Umzug nach Berlin – Performances und Aktionen

Bereits in Düsseldorf begannen Römer + Römer damit neben der Malerei auch Performances zu entwickeln. Im Jahr 2000 ziehen die beiden aus dem Rheinland nach Berlin. Seit dem Fall der Mauer wirkt die deutsche Hauptstadt auf junge Künstler und Kreative aus der ganzen Welt als starker Magnet, denn sie bietet ungeahnt neue Chancen für ästhetische und soziale Experimente. Berlin wird in den 1990er Jahren neben New York und London zur globalen Kunstmetropole, zum Schmelztiegel für Menschen aus aller Welt, die Eigenes und Ungewöhnliches ausprobieren möchten. Berlin hat Drive und Tempo, einen Touch von Anarchismus und den Approach von Nonkonformismus, der hier seit der 1968er Studentenbewegung fast schon Tradition hat. Die Stadt besitzt einen Mythos, der ihr seit den „Roaring Twenties“ anhaftet, sie ist aber auch voll von ­harter Realität. Zudem weist Berlin eine gewachsene Urbanität auf und zahlreiche his­torische und moderne Architekturkonglomerate, die die deutsche Geschichte seit dem 18. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hautnah spürbar und erlebbar machen. Die Attraktivität Berlins für junge Künstler besteht zudem darin, dass hier im Vergleich zu anderen Großstädten die Mieten für Wohn- und Atelierraum noch preiswert sind. Dies zusammen führte dazu, dass Berlin nach fast drei Jahrzehnten der Teilung wieder zu einer unkonventionellen Kulturmetropole, einer Stadt des Neuanfangs und der Veränderung werden konnte, bestens geeignet für junge Künstler und ihre Produktionen.
Wie keine andere Stadt des Kontinents ist Berlin zu einer Drehscheibe und Schnittstelle ­zwischen West und Ost, Nord und Süd geworden. Berlin ist ein Ort der Begegnung, der Konfrontation und Selbsterfindung – eine Stadt für Zukünftiges, die nach dem „Kalten Krieg“ geradezu unverhofft wieder aufersteht. Ernst Bloch hatte formuliert, Berlin sei die Stadt, die nie ist, sondern immer wird.
Alle, die etwas Neues vorhaben, kreuzen deshalb irgendwann hier auf, so auch Nina und Torsten Römer. Neben der Malerei treiben die beiden ihre Auseinandersetzung mit Performance und Aktionskunst voran, ebenfalls treten sie als Kuratoren und Veranstalter von Ausstellungen im Underground auf. Aufgrund ihres Engagements als Organisatoren und Performer lernen sie bald viele Künstler der Berliner Szene kennen. Sie machen sich einen Namen. Dass die beiden die Öffentlichkeit suchen, spricht für ihre an Kommuni­kation und Partizipation interessierte Haltung. Es geht ihnen darum, neue, eigene Formate und Plattformen zu kreieren, denn Kunst ist für Römer + Römer mehr als das gut gemalte Bild oder die gelungene Ausstellung in einer Galerie. Kunst ist vielmehr ein umfassender Entwurf, eine Form des Experimentierens mit neuen Spielflächen, das Eröffnen von Möglichkeitsräumen, Kommunikation und Unterhaltung. Den beiden Künstlern geht es um Entwicklung und Vermittlung – dies ist für Römer + Römer geradezu eine Existenzbedingung – es ist ihr way of life durch die Kunst. Gerade Performances bieten sich für eine solche Erweiterung des Kunstbegriffs an, denn durch sie können Fragen nach Inhalt und Form, Bedeutung, sozialer und gesellschaftlicher Relevanz unmittelbar gestellt werden. Zudem finden Performances immer „live“ statt, in der Konkretheit von Ort und Zeit, im Moment der Realisierung, angesichts eines Publikums. Mit einer Performance kann man seine Vorstellungen radikaler in die Öffentlichkeit ­tragen, als es normalerweise mit einer Ausstellung möglich ist. Das Kunstgenre Performance, wie es in den letzten Jahrzehnten auf uns gekommen ist, kann konfrontativ sein, spontan oder meditativ – auf jeden Fall erscheint es als kommunikatives Dispositiv für direkte künstlerische Anliegen überaus geeignet, wird eine Performance doch im öffentlichen Raum aufgeführt, für die Öffentlichkeit. Die Reaktionen der Zuschauenden sind dabei oftmals unvorhersehbar, vor allem dann, wenn man die Teilöffentlichkeit des Kunstbetriebs verlässt.
Eine provokante Performance führten Römer + Römer 2002 in Turin während der Biennale „Big Turino“ durch, als sie in Körper und Gesicht verbergenden Burkas auftraten. Diese Aktion fand als Reaktion auf die militärischen Operationen nach der New ­Yorker 9/11 – Katastrophe statt. Der bekannte italienische Künstler Michelangelo Pistoletto hatte die Römers nach Turin eingeladen, er unterstützte und förderte sie bei der Durchführung ihrer Performance. Kurze Zeit darauf traten sie in der Burka auch in Berlin auf, dann bei einer Ausstellung in Wladiwostok, bei der Biennale von Liverpool, während der Miami Art Fair in Florida und bei einem Performance-Kongress in Paris. Jedesmal reagierte die Öffentlichkeit auf die maskierten Künstler irritiert. In Berlin erschienen die Römers in Burka gekleidet im „Haus am Lützowplatz“ zur Vernissage der Ausstellung
„11. September 2001“. Fotos der Aktion berichten von einer merkwürdigen Begegnung mit dem damaligen deutschen Innenminister Otto Schily. Während der seine Eröffnungsrede hält, schauen seine Bodyguards wie gebannt und mit dunklen Mienen auf das vermummte Künstlerpaar, das neben dem Minister steht. Diese Performances benannten die Römers in Analogie zu den Nato-Feldzügen unter amerikanischer Führung gegen afghanische Taliban und im Irak „Infinite Justice“ sowie „Enduring Freedom“. Die Aktionen belegen das politische Interesse von Römer + Römer, die damals auch in ihrer Malerei damit begannen, das sternförmige Nato-Symbol mit arabischen Schriftzeichen zu kombinieren, um im Feld ihrer Kunst einen kritischen Kommentar zur Kriegswilligkeit auf allen Seiten zu formulieren. Die Beschäftigung mit politischen Zeichen findet sich übrigens in ihrem Werk bereits schon zwei Jahre zuvor, als sie das EC-Signé – das Zeichen für Electronic Cash – in ihre Bilder einarbeiteten und ornamental verfremdeten.
Im folgenden Jahr organisieren Nina und Torsten Römer ein großes Ausstellungsprojekt, an dem rund 200 Künstlerinnen und Künstler teilnehmen. Zu ihrem „Paradiesprojekt“ laden sie Kuratoren aus Frankreich, Russland und Deutschland ein, die ein internationales Netzwerk aufbauen. Die Vor- und Nachbereitung für das sechswöchige Festival dauert zwei Jahre. „Das „Paradiesprojekt“ geht anschließend nach München und wird dort in kleinerem Format realisiert. Beide Male findet es in alten Bunkeranlagen statt; in Berlin in einem dreistöckigem Tiefbunker aus dem Zweiten Weltkrieg unter dem Alexanderplatz, der noch zu Zeiten der DDR in Betrieb war und den Mitgliedern des Politbüros und der DDR-Führungsriege im Kriegsfall Schutz bieten sollte. Ohne finanzielle Unterstützung gelingt es Römer + Römer eine Show zu konzipieren, die die Grenzen zwischen allen künstlerischen Sparten sprengt und einen schrankenlos offenen Kunstbegriff demonstriert, der sich kaum an Kommerz orientiert. Sie selber waren beim „Paradiesprojekt“ mit der so genannten „deutsch-russischen Knutschperformance“ beteiligt. Bei diesem Happening traten verschiedene deutsch-russische Paare in einen öffentlichen Küss- und Knutsch-Wettbewerb. Bei dieser, wie Nina Römer sagt, „hedonistischen Aktion“, kann man den gesellschaftlich-politischen Ansatz der Römers im Sinne eines „Make Love not War“ erkennen, der dazu auffordert, politische Widersprüche durch ­Körpernähe, Lust und Liebe zu kontern. Es geht darum, die Spielflächen des Lebens und des Krieges keineswegs den Politikern oder Militärs zu überlassen, sondern um das eigene aktive Handeln, um das Besetzen und die Umwertung politischer Kontexte. Von daher lässt sich vielleicht auch die Vorliebe des Künstlerpaars für Demonstrationsdarstellungen in ihrer Malerei begründen, denn ohne direkt Partei zu ergreifen, gibt es bei Römer + Römer ein anhaltendes Interesse für außerparlamentarische Aktivitäten, für Randgruppen und ihren Kampf um Anerkennung, für spontane, nonkonformistische Demonstrationsformen.
Die beiden Künstler haben keine Scheu vor „großen Tieren“ der Politik: für das von ihnen 2005 in Berlin inszenierte internationale Kunstfestival „Der freie Wille“ anlässlich von „20 Jahre Glasnost“, gelang es ihnen, Michael Gorbatschow, den Begründer von Glasnost und Perestrojka, als Redner zu gewinnen. An dieser Ausstellung, die auf dem ehemals besetzen Gelände der Arena im Grenzbereich zwischen Kreuzberg und Treptow stattfand, beteiligten sich an die sechzig bildende und darstellende Künstler, zahlreiche Autoren, Performer und Musiker. Römer + Römer schufen für diese Ausstellung die Installation „Unterirdischer Birkenwald“ in einem Kellerbunker in unmittelbarer Nähe der Spree. Zuerst beabsichtigten sie, ein Landart-Projekt durchzuführen: Ein Deich sollte gebaut werden, um die Spree auf Höhe des Bunkers nach Osten umzuleiten. In dem ­trockengelegten Flussbett sollten 1000 russische Birken anpflanzt werden. Die Außenwand des Bunkers wäre dabei auf der Gesamtlänge von 150 Meter durch eine Glasfront ersetzt worden, damit man aus dem Innenraum einen „freien und idyllischen Blick“ auf den schnell wachsenden Birkenwald bekäme. Alle Genehmigungsverfahren waren bereits überstanden, als sich durch Bodenproben herausstellte, dass im Bett der umgeleiteten Spree wegen hoher Verschmutzung keine Bäume wachsen konnten. Man hätte also das Flussbett reinigen müssen, doch wäre dies äußerst zeitaufwendig gewesen. Als Vorschau zu dem nie realisierten Projekt stellten Römer + Römer für die Ausstellung „Der freie Wille“ eine virtuelle Version des Vorhabens her: auf die lange Mauer im Innenraum des Bunkers brachten sie die Bildtapete eines Birkenwaldes an. Diese Tapete entstand als Malerei nach einem Foto, das in einem russischen Birkenwald aufgenommen worden war. Das gemalte Stück Birkenwald wurde anschließend fotografisch reproduziert, so dass sich die Birken auf der Tapete gleichen und wiederholen. Der Innenraum des Bunkers besitzt kleine Fenster, die von goldenen Bilderahmen gefasst waren. Durch die so entstandenen Fenster-Bilder sah man nach draußen, unmittelbar auf den Fluss, der fast bis zu den Fensterleibungen stand. Klänge und Sounds machten den Birkenwald im Innenraum geradezu märchenhaft, wie auch die in „Birken-Mode“ gekleideten Gestalten, die durch den Raum schwebten. „Unterirdischer Birkenwald“ war ein utopisches Landart-Projekt, das in seiner konkreten Realisierung mit den immer gleichen, dicht beieinander stehenden Birken auf der Tapete auch ironische Momente annahm, wird doch die mit dem Begriff „Glasnost“ angedeutete Transparenz und Durchlässigkeit dabei wie etwas Undurchdringbares, nicht Durchschaubares vorgestellt.
Nina und Torsten Römer veranstalteten in der letzten Dekade noch weitere Performances und Happenings. Wichtig war ihnen (z. B. bei der interaktiven Installation „Blind Date in Paradise“, 2005) neben der Vorstellung unterschiedlicher Künstlerpositionen eine intensive Kommunikation zwischen allen Beteiligten, die Herstellung von Netzwerken – also Interaktion und Partizipation. Performance- und Aktionskunst, diese Aspekte ihres Schaffens, wollen Nina und Torsten Römer auch in Zukunft weiter betreiben. Ihr Kunstbegriff lässt sich nicht ausschließlich auf Malerei begrenzen. Auch wenn die Herstellung gemalter Bilder heute im Zentrum ihrer Arbeit steht, so umreißt der ästhetische Horizont des Duos weit mehr – er umfasst unterschiedliche Darstellungs- und Vermittlungsformen, die die Präsenz und den Raum der Kunst fast überall verorten. Gesellschaftliche und politische Themen nehmen die Künstler dabei ähnlich ernst, wie etwa inhaltliche und formale Fragen der Bildherstellung.
Zwischen Performances und Aktionen im öffentlichen Raum und der Malerei von Römer + Römer bestehen jedoch Kontakt- und Verbindungslinien, die keineswegs allein darauf beruhen, dass es die gleichen Künstler sind, die wochenlang ein Festival vorbereiten, mit Performances auftreten, um bald danach fotografierend fremde Länder zu bereisen oder beeindruckende Bilder zu malen. Die Verbindungen liegen tiefer, sie begründen sich primär im zielgerichteten Interesse, das Römer + Römer an Menschen haben, an der Gesellschaft und der Politik, an Kommunikation und Kunst, als Möglichkeit einzugreifen und sich zu äußern. Man kann zu dem Schluss kommen, dass auch die Personen, die sie in ihren Bildern malend fixieren, Darsteller von Performances und ­Happenings sind. Als Teilnehmer gemeinschaftlicher Ereignisse – etwa politischer Demonstrationen oder theatralischer Manifestationen – sind wir alle Schauspieler in den Lebensstücken, die wir uns auf den Leib schreiben oder schreiben lassen. Zudem treten wir in den Stücken und Aufführungen der anderen auf, in denen wir dann meist Nebenrollen einnehmen oder als wichtige Hauptdarsteller vorkommen und mitmachen.
Auch das Spiel mit dem öffentlichen und urbanen Raum, dessen Veränderbarkeit durch Werbung, die permanente Verfügbarkeit der Medien, die Chancen, die sie einzelnen eröffnen, die Formen von Kommunikation und die öffentlichen Debatten in unserer Zeit machen den Gedanken plausibel, dass Menschen sich heute oft in seltsamen Zwischenbereichen wiederfinden, in einem uneindeutigen Zustand, in der Situation eines „In-Between“, das kaum noch unterscheidet zwischen Identität und Simulation. Die Eindeutigkeit der Rollen, die wir einnehmen, geht also verloren und so sind wir zunehmend Performer unserer selbst in Medienräumen, Kommunikationskonstrukten und fingierten Architekturen, deren Eigenschaften nicht länger im Stabilen, im Langwährenden oder der Verlässlichkeit von Traditionen liegen, sondern in Instant- und Multi-Funktionen, in einer Welt der Projektionen und hybriden Erscheinungen. Wir leben, wie der Situationist Guy Debord bereits früh feststellte, in einer „Gesellschaft des Spektakels“. ­Solchen Entwicklungen sucht die Kunst der Römers in ihren Aktionen und mit der ­Malerei experimentierend und forschend zu begegnen.

Die Fotografie und der Rechner – eine Malerei im Prozess

Nina und Torsten Römer gehören zu einer Künstlergeneration, für die technische Bildmedien mit ihren Bearbeitungs- und Dokumentationsmöglichkeiten wie selbstverständlich zur Produktion von Kunst verfügbar waren und neue ästhetische Bedingungen schufen. Für die Kunst der Römers hat dies zur Folge, dass sie ihre Malerei in einem deutlichen und konkreten Verhältnis zur Fotografie und den Möglichkeiten des Computers entwickelt haben. Ihr Malen ist von daher zu einem Abbildungs- und Darstellungsprozess geworden, der kaum von unmittelbarer Inspiration, etwa bei den Kompositi­onen, beeinflusst wird. So gut wie alles ist dabei geplant und im Voraus kalkuliert. Bevor sie mit der Arbeit an der Leinwand beginnen, bestimmen sie die Komposition eines Bildes bereits an dem im Rechner gespeicherten Foto. Die Fotografie wird also im Hinblick auf eine Umsetzung in Malerei verwendet. Es geht den Künstlern darum, die aussage­fähigsten Fotos als Vorlagen auszuwerten, um diese später in das Medium ihrer Ölmalerei zu übersetzen. Insofern entwickelt sich die Kunst von Römer + Römer auch nicht ausschließlich in einem malenden Vorgang, sondern beginnt bereits mit dem Fotografieren und der Bildbearbeitung. Von daher handelt es sich bei ihrer Bildproduktion um einen komplexen Prozess, dessen Ziel und Ergebnis zwar das gemalte Bild ist, jedoch bedarf dessen Herstellung verschiedener Vorarbeiten technischer Art. Zudem entscheidet sich in der Kommunikation, welches Motiv, welcher Ausschnitt in welchem Farbjargon später auf der Leinwand erscheinen soll. Die Malerei des Künstlerpaares verhehlt den fototechnischen Vorlauf nicht, er findet in der Übersetzung in Malerei seinen Ausdruck und zeigt sich auf der Bildoberfläche in Form eines malerischen Divisionismus, also in der Summierung von gemalten Pixeln, klar umrissenen Farbpunkten und -flächen, die in ihrer Komplexität den Eindruck der Malerei entstehen lassen und bestimmen.
Der Prozess der Bildherstellung beginnt unter Einsatz von Foto- und Rechnertechnik, keineswegs ist er im Sinne eines herkömmlichen Malprozesses, im Gedanken genialer Erfindung oder als Resultat subjektiver Innenbetrachtung zu begreifen. Auch darin liegt das Moderne und zeitgemäße der Kunst von Römer + Römer. Subjektiv und individuell ist diese Kunst vor allem in der Motivwahl, objektiv und rational im Hinblick auf die Realisierung der Malerei. Bildherstellung ist demnach eine Bearbeitungsform der Leinwand zu den Bedingungen der Fototechnik sowie deren Umsetzung durch Maltechnik. Bereits das Fotografieren geschieht unter den Gesichtspunkten einer zu verwirklichenden, einer potentiellen Malerei. Auch ihr Reisen geschieht mit dem Anspruch, brauchbares Fotomaterial zu gewinnen. Zielgerichtet suchen die Römers dabei Orte und Ereignisse auf, die für sie von Bedeutung sind – so etwa, als sie im Herbst 2010 nach Paris fliegen, um an einer Demonstration von Transsexuellen teilzunehmen, oder als sie wenig später nach Israel aufbrechen. Natürlich sind sie vor Ort offen für Überraschungen und Unerwartetes. Vor allem interessieren sie Begegnungen mit Menschen und Gruppen, die ihr Leben unangepasst und unkonventionell gestalten und das Cross-Over der Kulturen.
Betrachtet man die in den letzten Jahren entstandenen Bilderserien, so kann man den Eindruck gewinnen, dass die Künstler ihre Reiseeindrücke vor allem unter folgender Fragestellung festhielten: „Wie hängt alles zusammen und welchen Platz nimmt die Geschichte unseres Lebens in dieser großen, sich verändernden Welt ein?“ Tatsächlich ist diese Frage eine bedeutende und die Antwort der Künstler ist komplex, vielgestaltig, keineswegs eindeutig. Ihr selbst gewählter Auftrag handelt zugleich von Bekanntem wie von Unbekanntem, das ihnen unterwegs begegnet: Die Amüsierlust der Koreaner auf einem Rummelplatz unweit der traurigen, scharf markierten Grenze zum Nordteil des Landes hat sie genauso erstaunt, wie die farbenprächtigen Dekorationen bei einem indischen Fest in einem Stadtteil von Paris oder eine theatralisch gespielte Mordandrohung auf der Bühne bei einem so genannten Cosplay Event, die sie in Peking foto­grafierten. In Marokko fiel Römer + Römer die Buntheit des Alltags in der Tristesse heruntergekommener Architekturen auf, wie auch die Möglichkeit der Menschen, draußen alle möglichen Dinge zu tun, die man in Deutschland vor allem in Innenräumen betreibt – etwa Essen oder Tischfussball spielen. Der Blick des Künstler-Duos richtet sich nach allen Seiten, er ist offen für Alltägliches und scheinbar Nebensächliches. Wichtig scheint, dass sie von einer Situation, einer Szene berührt werden. Vor allem aber interessieren die Künstler unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit. Immer sind viele Menschen im Bild, es gibt zahlreiche Details, und in ihren Bildern geschieht immer Vieles. Ihre Fotografie, die einen spontanen, schnappschussartigen Charakter besitzt, bildet dergestalt die Voraussetzung, geradezu das Rückgrat für eine Malerei, deren Anliegen es ist, sinnlich zu berühren, emotional zu erfassen, nicht alleine zu informieren.
Die Kunst von Römer + Römer lehrt uns , wie man sich unterschiedlichen Kulturen und ihren Menschen respektvoll annähern kann, letztlich sogar mit dem Ergebnis, die eigene Kultur und ihre Veränderung besser zu begreifen. Eine solche Perspektive unterscheidet dann weniger zwischen dem Eigenen und dem Fremden, sondern erkennt die Dynamik und Bewegung in der Veränderung – dies als Indiz und Indikator für eine aufkommende Weltkultur, deren Umrisse bislang nur im Ansatz zu erkennen sind. Vitalität und Diversität, wie auch Gleichschaltung und Uniformität sind markante Zeichen dieser neuartigen, den Globus ergreifenden Kultur. Paradigmen entstehen ihr zudem aufgrund der technischen Revolution, die sie zugleich hervorbringt und die sie verändert, wie auch durch die ökonomischen Bedingungen auf dem Planeten, über die in Zukunft bestimmt noch zu sprechen sein wird.
Mit ihrem unvoreingenommenen Blick entwickeln die Künstler eine Offenheit der Darstellung, die unideologisch ist und die Qualität besitzt, die komplexe Gleichzeitigkeit von Wirklichkeitsphänomenen zu beschreiben, sie jedoch nicht vorschnell zu bewerten, denn, wie immer: die Sache ist im Fluss. Römer + Römer zeigen die Phänomene einer neuen Welt deshalb aus der Sicht von Außenstehenden, die darstellen und berichten. Eine andere Eigenart ihrer Bilder ist das Dichte und Komplexe, das die Künstler mit der Kamera in Städten und bei Massenveranstaltungen festhielten. Die Darstellung von Komplexität im Bild gibt ihnen später die unmittelbare Möglichkeit ihre Kompetenzen im Medium Malerei zu demonstrieren. Was auf kleinformatigen Fotovorlagen im Gewimmel der Farben kaum noch erkennbar ist, wird später in der großformatigen Malerei seltsam greifbar, überdeutlich und erst in der malerischen Kompaktheit verständlich: diese Welt – vor allem in den Ballungsräumen – ist voll, voll gestaut mit Menschen und mit Dingen, sie erscheint extrem verdichtet und hoch komplex. All die vielen Einzelheiten, die Römer + Römer in ihren Bildern darstellen, wirken wie geschichtet, verdichtet und gebaut. Die Künstler folgen mit ihrer Malweise geradezu analogisierend diesem in der modernen Welt erkannten Phänomen, um ein ihr adäquates Abbild zu kreieren. Doch evoziert die Malerei damit keine Statik – immer, so hat man das Gefühl, ist das Momentane und die kommende Bewegung, die unser Leben und seine Orte ­permanent durchflutet, mitgedacht und mitgemalt.
Die Details dieser Malerei erkennt man aus der Distanz gestochen scharf – dabei geben sie bei näherem Herantreten zu erkennen, dass sie aus unglaublich vielen Farbschichten, aus tausenden Punkten und kleinen Flecken zusammengesetzt sind. Manchmal erscheint eine geradezu impressionistische Atmosphäre in diesen Bildern zu herrschen, doch entsteht dieser Eindruck vor allem aufgrund des präzise kalkulierten Vor­gehens. Das Impressive beruht auf einer analytisch-objektiven Malerei, die mit den Möglichkeiten des Seriellen und Informellen – exakten Farbpunkten oder Streifen – arbeitet, aber auch mit einer flächigen Verteilung von Farben, dies zuweilen in scharfer Kontrastierung. Immer wird mit rationalen Bildmittel gearbeitet, selbst wenn optische Eindrücke entstehen, die wie psychedelisch, fast wie auf einem LSD-Trip wirken. Immer geschieht dies mit dem Anspruch, bildnerisch eine äußerste Intensität bei der Darstellung zu erreichen, ebenso mit der Absicht, eine suggestive Wirkung auf die Betrachter auszuüben. Ihre Malerei wird für die Betrachter tatsächlich nachvollziehbar, wirkt unmittelbar erlebbar und überzeugend.


Ein Bildarchiv der Malerei

Der künstlerische Prozess des Malens von Römer + Römer lässt sich als Vorgang einer engen Verbindung technischer Möglichkeiten der Bildherstellung und handwerklich tradierter Malmethoden beschreiben. Beides ist gleich wichtig, doch sehen zum Schluss die Betrachter nur das gemalte Bild. Bis heute setzen die beiden Künstler das fort, was sie in den letzten Jahren erfanden und entwickelt haben. Was ihr Werk bereits bisher markant auszeichnete, bekam die Kontinuität des langen Atems – eine Malerei angesichts und zu den Bedingungen der technischen Medien und eine Kunst, die subjektiv gesellschaftliche Wirklichkeit spiegelt und dokumentiert.
Nina und Torsten Römer sind als Maler ungemein produktiv. Die Herstellung eines Bildes, das aus tausenden von Punkten und kleinen Farbstellen besteht, braucht seine Zeit; doch hat die hochkonzentrierte Arbeit, die einem tagtäglich die Fortschritte zeigt, auch meditative Aspekte. Über die Jahre entstand so im Studio der Künstler ein umfassendes und facettenreiches Werk – es ist ein besonderes Bildarchiv dieser Welt in unserer Zeit. Von daher lässt sich die Arbeit des Paares auch im Sinne einer dokumentierenden Reportagetätigkeit begreifen, als realistische Darstellung ihrer subjektiv erlebten Wirklichkeit – einer Wirklichkeit, die in sich widersprüchlich, voller Brüche, manchmal sogar chaotisch ist. Die Malerei der Römers stellt einen Beitrag zur Bildkultur im beginnenden 21. Jahrhundert dar, als Ausdruck einer Kunst des Hybriden in Hinsicht auf Technik und Thema, bei der moderne Medien die Voraussetzungen schaffen, damit zeitaktuelle malerische Abbilder entstehen.

Neue Historienbilder und Krisen

Konnte man die gesellschaftliche und kulturelle Lage in wohlhabenden Ländern Europas in den letzten Jahren mit dem Schlagwort „elektronisches Biedermeier“ charakterisieren und damit eine Situation kennzeichnen, in der revolutionäre Utopien, extreme politische und ästhetische Umbrüche oder radikale Avantgardeleistungen außerhalb des technischen Komplexes kaum mehr vorstellbar waren, so stellt sich mittlerweile das Bewusstsein ein, dass gesellschaftliche Zuspitzungen und politische Radikalisie­rungen in einer globalisierten Welt zunehmend stattfinden werden. Betraf dies bis zum 8. September 2008, dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrisen, noch vor allem arme Nationen und Schwellenländer, so werden nun auch in den westlich-demokratischen Gesellschaften die Verteilungskämpfe härter und das politische Klima rauher – man denke etwa an ungelöste Probleme und Konflikte in den französischen Banlieues, an Massenarbeitslosigkeit in den USA, Streit um Atom- und Energiepolitik, Flüchtlings­ströme nach Europa, Bildungsnotstand, Lobbyismus oder die völlig ungeklärte Zukunft der freien Märkte. Dies alles sind Konflikte, die über kurz oder lang auf die Straße drängen und auch auf der Straße ausgetragen werden. Allein deshalb scheint das von Römer + Römer künstlerisch inszenierte Demonstrationsthema aktuell und geradezu gegenläufig zum prognostizierten „elektronischen Biedermeier“ im Medienzeitalter. Dennoch, die Sache ist nicht ganz so einfach: obwohl das Politische heute auch auf der Straße stattfindet, leben wir in einer Epoche, in der vor allem die Medien den Begriff des Öffentlichen prägen – dies umfassender und wirkungsvoller, als etwa noch in den 1980er und 1990er Jahren. Der Einfluss der Medien zeigt sich in intensiven, kurzfristigen Informationswellen, doch auch in einem verflachenden Verständnis von Demokratie und politischer Teilhabe – also Bereichen, die den Freiheitsbegriff unmittelbar betreffen. Nach Hannah Arendt liegt der Sinn von Politik in der Herstellung von Freiheit. In dem Maße, wie das Politische, die bürgerliche Polis, immer weniger das Öffentliche darstellt, sondern vor allem zu etwas medial Vermitteltem wird, bekommt Politik den Charakter von Simulation, selbst dann, wenn sie wegen drängender Probleme in den aufkeimenden Krisen immer stärker pragmatisch argumentiert. Freiheit aber kann man nicht simulieren. Dieser Situation und Entwicklung scheint die Kunst von Römer + Römer Rechnung zu tragen. Sie zeigt Demonstrationszüge in Berlin und an anderen Orten, sie berichtet davon, doch teilen die Künstler nicht alle der dabei vorgetragenen Standpunkte, Meinungen oder Forderungen. Sie haben durchaus eine eigene Meinung, und so ­formulieren sie auch deutliche Kritik am Bestehenden, etwa wenn die beiden über das Media Spree Projekt in Berlin sprechen: „Das Bild „Mediaspree versenken“ widerspiegelt eine typische Demonstrationsszene in Berlin, sie erinnert an einen karnevalesken Umzug. Eine große Menschentraube flaniert leger bekleidet, einzelne Personen teilweise wegen der Wärme entblößt, mit dem Umzugswagen, einem alten grünen Mercedes mit Strahlern und Luftballons auf dem Dach. Die Prozession durchbricht die ruhige, grüne Allee. Media Spree ist ein großes Investoren-Bauprojekt an der Spree zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, gegen das sich unter dem Titel „Mediaspree versenken“ eine Protestbewegung gesammelt hat. Sie erreichte einen Bürgerentscheid über die Veränderung des Bauvorhabens. Bis jetzt steht nur ein großes Konzerthaus, welches den ­kommerziellen Namen O2-Arena trägt. Die Gestaltung dieses Areals hat viele Bürger Mediaspree gegenüber negativ eingestellt, an den Demonstrationen sind verschiedene Gruppen beteiligt. Um das geplante Projekt entlang der Spree im lebendigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durchzusetzen, werden verschiedene Clubs nach und nach geschlossen und abgerissen. Das betrifft zum Teil sogar unter Denkmalschutz stehende Häuser, große Flächen werden so bebaut, dass sie nicht mehr für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein werden. „So eine Art von Demonstration hat in Berlin mehrmals statt gefunden – unsere Bilder ,O tu mir das nicht an‘ ,Staat & Ehe Nein Danke‘. ,Bleiberecht für alle!‘ und ,Spaßfraktion‘ zeigen verschiedene Gruppierungen, welche durch viele Aktionen eine Aufmerksamkeit erreicht haben, bis es dazu kam, dass die Stadt auf verschiedene Punkte Rücksicht genommen hat.“
Über ihre Malerei und deren Inhalte, aber auch über andere Kontexte und Zusammenhänge, die in ihren Bildern thematisiert werden, können die Römers gut informiert berichten. Mit ihrer Malerei beabsichtigen sie keineswegs einfache, allzu festgelegte Wahrheiten in den Raum zu stellen. Sie identifizieren sich nicht unbedingt mit den radikalen Parolen und Slogans auf den Transparenten der Demonstranten, aber sie haben eine Meinung und nehmen Stellung, treten für eine offene und multikulturelle Gesellschaft ein. Mit dem in der Malerei inszenierten Kamerablick wird aber vor allem eine dokumentierende Perspektive eingenommen. Dieser Distanz entspricht bei der malerischen Umsetzung ein gleichsam analytischer und addierender Farbauftrag, bei dem Farbwerte nebeneinander stehen. Solche malerische Umsetzung stellt eine bewährte Methode bei der Bildherstellung dar, um mit dem Bild über Wirklichkeit Auskunft zu geben. Spätestens seit den 1960er Jahren werden Fotovorlagen von vielen Malern verwendet, prominente Beispiele dafür sind Chuck Close, Gerhard Richter oder Peter Doig. Aber bereits Vermeer arbeitete mit einer Camera Obscura, später auch die beiden ­Canalettos bei ihrer Vedutenmalerei. Im späten 19. Jahrhundert orientierte sich etwa Manet und weitere Impressionisten an Fotovorlagen. Die Fotografie wurde seitdem zum eigenständigen künstlerischen Medium, sie inspirierte zugleich aber auch die Maler. Wird ein solches maltechnisches Verfahren nach Fotovorlagen konsequent umgesetzt, so entstehen, wie man rückblickend und bis in unsere Zeit sagen kann, immer wieder neue Möglichkeiten, um unverbrauchte Sichtweisen zu gewinnen.
Auch die Malerei der Römers geht diesen Weg. Die beiden Künstler greifen dabei auf Eigenschaften und Potentiale der Digitalfotografie zurück, bei der besondere Ergebnisse im Hinblick auf Farbkontrastierungen entstehen sowie filmartige Sequenzen ermöglicht werden. Zugleich haben Römer + Römer sich mit der realistischen und psychologisierenden Malerei von Edward Hopper beschäftigt – in ihm erkennen sie einen Vorläufer für ihre Kunst.
Mit der Darstellung von Demonstrationen in großformatiger Malerei wird von Nina und Torsten Römer ebenfalls die Idee des Historienbildes neu besetzt und formuliert. Dieses Genre nahm vor allem im vor-fotografischen Zeitalter einen herausragenden Platz ein. Der Typ des Historienbildes scheint in der Malerei des letzten Jahrzehnts, etwa bei Daniel Richter, Neo Rauch wie auch mit der Malerei der Römers eine Renaissance zu erleben, jedoch jeweils unter anderen Vorzeichen und insgesamt in anderer Funktion, als vor der Erfindung der Fotografie. Adolph von Menzel, ein moderner Maler im 19. Jahrhundert, spielt in diesem Kontext für Römer + Römer eine besondere Rolle, denn auch er zeigte in Werken wie „Aufbahrung der Märzgefallenen“ (1848) oder „Das Eisenwalzwerk“ (1875) nicht nur Massenszenen, sondern vor allem eine „Geschichte von unten“ und ergriff mit seiner Art dokumentierender Malerei durchaus eine gesellschaftspolitische Position. Der Zugriff auf ein historisches Genre, das in feudalistischen Epochen vor allem der Darstellung von Macht und Machtanspruch diente, bedeutet von daher keinen Rückschritt, sondern er ist für Nina und Torsten Römer im Gedanken einer realistischen und Anteil nehmenden Beschreibung gegenwärtiger Probleme zu verstehen. Der Sinn einer Auseinandersetzung mit Themen wie Krise, Konflikt und Öffentlichkeit liegt zudem in einer besonderen Art der Selbstorientierung, Klärung und Verge­wisserung, denn beim Malen treten die beiden Künstler in einen Austausch über ihre Vorstellungen zur Gegenwart und zur Veränderung von Realität.

Eine Physiologie des Sehens und der Aufklärung

Man kann feststellen, dass Römer + Römer durch die Fotografie Bilder der äußeren Welt in ihr Atelier einschleusen und diese in einem medialen wie auch handwerklichen Vorgang in Malerei übersetzen, so dass Arbeiten entstehen, die zur Fotovorlage in einem konkreten Verhältnis stehen. Wie nun sieht dieses Verhältnis aus, wovon wird diese ­Relation bestimmt, welche Bedeutung wird bei der künstlerischen Übersetzungsarbeit geschaffen?
Durch die Malerei entstehen Bilder, die die Darstellungen der Fotovorlagen inhaltlich exakt wiedergeben. Dies jedoch im großen Format und im Charakter der Ölfarbe, welche die Oberfläche der Leinwand nicht nur einfärbt, sondern im Sinne einer Textur strukturiert. Solche Nachahmung geschieht bei der Malerei von Römer + Römer aber nicht in Form eines Hyperrealismus, wie ihn Künstler wie Franz Gertsch oder Donald Eddy betrieben haben, die jedes Detail gestochen scharf abbildeten, vielmehr findet sie in einer Analogie oder Annäherung an das physiologische Sehens statt. Dies vollzieht sich maltechnisch durch ein Nebeneinanderstellen von einzelnen, auch kontras­tierenden Farbwerten, die in ihrer Addition eine bestimmte Bildpassage in Hinsicht auf das Darzustellende genau bezeichnen. Mit solcher Form der Darstellung reagieren Römer + Römer augenscheinlich auf das, was die Physiologie des Sehens ausmacht – also eine Tätigkeit, die immer nur in einem sehr kleinen Bereich, in einem tatsächlich punktuellen Scharfsehen stattfindet. Der Seh- und Wahrnehmungsakt besteht in einem hoch komplizierten Zusammenspiel von neuronalen, zerebralen und psychischen ­Aktivitäten und Leistungen. Bei der Malerei der beiden Künstler handelt es sich also um eine Form des vor Augenführens und sichtbar Machens von Eigenschaften und Fähigkeiten des physiologischen Sehens, des Wahrnehmens und Erkennens, das immer eine bestimmte Betrachterposition, eine definierte Nähe oder Distanz zum Bildgegenstand bedarf, um als inhaltliches Sehen und begriffliches Erkennen zu funktionieren. An dieser Stelle wird die Fotovorlage, anders als bei den Hyperrealisten, nicht länger zum verbindlichen Vorbild, sondern sie wird ausschließlich im Sinne eines Arbeitsmittels verwendet und durch Eingriffe und Veränderung am Computer fruchtbar gemacht.
Dem Betrachter wird mit dieser Form des Darstellens ein konkreter Standort zugewiesen, der ungefähr dem des Fotografierenden entspricht. Natürlich muss sich der Betrachter nicht an diese Ortzuweisung halten, doch nur aus einer exakten, meist distanzierten Position gewinnt man den Überblick vom Gesamtgeschehen, erkennt ein scharfes Bild mit all seinen Details. Andere, insbesondere nähere Betrachtungspositionen, zeigen das Bild wie aufgelöst, im extremen Fall als gegenstandsloses Farbfeld voller abstrakter Zeichen und Farbstellen, führt also zu einem divergierenden Modus des Sehens, nicht aber zur Erkenntnis des Bildinhalts. Die Malerei der Römers wird vor dem Hintergrund dieses Gedankens zum Gegenstand, wie auch zum Ort der Analyse und des Vorgangs der Wahrnehmungsphysiologie und einer visuellen Erkenntnisform. Beim Sehen und Betrachten ihrer Malerei findet demnach eine besondere Form der Aufklärung statt – es ist eine Aufklärung über das Sehen und das Erkennen.

Bildeigenschaften

Das gemalte, großformatige Bild besitzt gegenüber der Fotovorlage sinnliche Eigenschaften, die insgesamt in Richtung einer Emotionalisierung und eines damit verbundenen Bedeutungszuwachses weisen. Solche Emotionalisierung ereignet sich in der Kunst von Nina und Torsten Römer dann auch aufgrund der Farb- und Oberflächenstruktur und ihrer Gefühlsqualitäten. Bei Römer + Römer geschieht der Vorgang solcher Emotionalisierung jedoch wie gebremst, trifft er doch gleichsam auf sein Gegenstück, auf die analytische Rationalität beim Auftrag des Farbmaterials und dem Angebot an die Betrachter, sich ebenfalls auf die eher physiologischen Aspekte und Eigenschaften ihrer Malerei einzulassen. Durch den analytischen Farbauftrag wird der Betrachter parallel zur Emotionalität der Bildinhalte auch mit der Rationalität solcher Malerei konfrontiert. Das Emotionale in der Darstellung erfährt damit eine immanente Kontrolle oder sogar Kritik. Im Bild entsteht somit ein Gegensatz und Widerspruch zwischen Inhaltlichkeit, also dem Thema, und seiner rationalen Umsetzung durch eine bewusste Inszenierung bei der Komposition, durch Farbe und Format – also Möglichkeiten, die emotional wirken, aber auch rational analysiert werden können. Die Kunst der Römers entsteht im Prozess der Herstellung, in der Rationalität eines Konzepts, aufgrund dessen ist sie eine von den Künstlern bewusst entwickelte Form des „in Szene setzens“. Der offensichtliche Gegensatz zwischen Emotion und Rationalität, der sich in dieser Malerei ereignet, wird dabei von Römer + Römer an die Betrachter wie ein Angebot, wie eine zu beantwortende Frage weitergeleitet. Doch ist man bei dieser hybriden Konstellation im Grenzbereich von Emotion und Ratio kaum in der Lage, endgültig zu entscheiden, wo der eine Bereich beginnt und wo der andere endet. Dieser Widerspruch, das hier geschilderte Dilemma, ereignet sich jedoch konkret in den Bildern und löst sich auch dann auf, wenn man die vermeintlich getrennten Bereiche als zwei Seiten der gleichen Medaille betrachtet, als notwendige und unabdingbare Ergänzungen, ohne die eine solche Malerei nicht möglich wäre. Nur im Zusammenspiel und im Zusammensehen ereignet sich die völlige ­Realität der Malerei und der Kunst von Nina und Torsten Römer.
Darin liegt dann die eigentliche Basis und Qualität ihres künstlerischen Handelns, das einen sozio-medialen Charakter besitzt, aber doch zugleich mit Emotionalität, Sinnlichkeit und Rationalität argumentiert.

english version

Peter Funken
Emotion and Rationality - The Art of Nina and Torsten Römer

Places – Berlin and abroad

A sunny day in October 2010 and a visit to the studio of Römer + Römer: the artist couple works in a big studio in Berlin-Kreuzberg on the second floor of an old factory building, one of the many brick buildings dating from the Gründerzeit, the period of industrialisa­tion at the end of the nineteenth century. Today the building houses artists’ studios, architecture and design offices; at the back is a trendy club. The building is surrounded by architecture from later periods: stark blocks of flats and sober corporate premises were built in what is known as South Friedrichstadt during the post-war period, after the entire old district had been eradicated by bombs. Until 1989, barely 200 metres away the ‘“Wall” cut the city into two halves, and with it the district. The Heinrich-Heine-Strasse border crossing was in the immediate vicinity. Also near the studio of Nina and Torsten Römer lies Moritzplatz, where artists like Helmut Middendorf, Rainer Fetting, Bernd Zimmer and Salomé – the Moritzboys – invented Heftige Malerei (“violent painting”) in the 1970s and exhibited it in a self-help gallery. Today this district of the former SO36 is changing rapidly. With a Kulturkaufhaus, publishing houses and urban agriculture, new perspectives are opening up in this not very prosperous but interesting part of Kreuzberg.
In the studio of Nina and Torsten Römer everything is neat and tidy. The artists keep their paints and pigments in hundreds of margarine tubs, precisely aligned on tables. Paintbrushes, painting equipment and tubes of colour lie neatly beside them. Behind stands a computer. It is an important working tool for the artists. In it are stored the reference photos which they have taken for their painting. A camera lies within easy reach. The sun shines through the broad front windows into the high-ceilinged room, along whose walls are stacked countless large and medium-format pictures. Two canvases on stretcher frames, on which Nina and Torsten Römer are currently working, stand near the windows where the light is good. Their studio is also a meeting point, and so there are a few armchairs, a sofa and a bar, and even a table-tennis table has its place in the room.
Römer + Römer are an artist couple based in Berlin. Römer + Römer also represent a painting concept, a way of seeing things and reality and of expressing them in a painterly manner. Painting, as practised by Nina and Torsten Römer, is a reflection of the social reality in the city in which they live and in the world through which they travel. In their art the Römers express on the one hand their attitude towards life; and on the other they show the social conditions which they perceive in Berlin or wherever they may find themselves. In recent years that included numerous countries on virtually all the continents. Their ­travels took them to South Korea, Russia and Morocco, to the United States, Turkey and the United Arab Emirates, to Armenia, England, France and Poland, to Italy, China, Israel and Japan. Römer + Römer always travel on their own account, on behalf of their own art; rarely as tourists, and yet always with their camera at the ready, in order to record people, situations and things that they notice, that touch and move them, that they find new or strange, or that remind them of something. This way of travelling evokes expeditions and undertakings embarked on in former times by scientists and globetrotters ­hungry for knowledge: among them were Prince Pückler, Georg Forster, Lord Byron and Johann Gottfried Seume. They were artistic souls who travelled on their own account in search of experiences in new lands which they could then report home about. Nina and Torsten Römer may travel at higher speed and with more comforts en route than those travellers during the eighteenth and nineteenth centuries, but they are driven by a similar mission, because they too make new discoveries and find things which no one has ever written about on their journeys through the globalised world, in which changes, fractures and possibilities are constantly turning up, in which the twentieth century is long passé and the start into the future is often accompanied by the unpredictable, the insecure and the short-lived. Römer + Römer record in photographs reality as they experience it subjectively in a rapidly changing world full of dynamism and complex new inventions, using it later for the paintings which they produce in their Berlin studio.
It is evident from their pictures that the two artists were filled with amazement on their travels, but that they nonetheless repeatedly came across familiar things – for example, billboards publicising a brown soft drink or advertising for internet cafés and communication, which nowadays have truly brought about the creation of something resembling a “global village”.
Typical of the painting of the two artists is that we can recognise in their pictures the everyday existence of a globalisation which envelops everyone and everything. Be it in Korea or Morocco, Bologna or Berlin – publicity and advertising are similar throughout the world; they form a sort of visual background noise in the big cities as well as in the provinces. At the same time, this world – the “electronic village” of which Marshall McLuhan spoke – appears in the pictures of the Römers in a very different way, as if we were seeing it for the first time. This – apart from the fact that continents and countries differ from each other – is the result of precise observation and the artistic necessity of comparing and contrasting. The works of Römer + Römer are in no way exotic in the sense of an idealisation; rather, they are realistic representations produced under the conditions resulting from subjective and technical painting processes. This can be seen when one examines their new series with demonstration scenes from Berlin showing a political gathering on Karl-Marx-Allee and a demonstration by gays and lesbians. They recognise again the brilliant colours and the radiant light that they noticed in Asia and North Africa at a rock festival in Poland or a parade against the Mediaspree project in Berlin. Colour differentiation and liveliness in composition should be seen primarily as the result of their painting based on photography, a realism arising from photographic technology and skilled painterly execution.
Nina and Torsten Römer work as modern chroniclers of a world in upheaval, in a phase of simultaneous asynchrony, in a hybrid state whose development and future are completely open. Berlin is also the right place for the production of their art because the city reveals, as a result of its complicated history, all the characteristics of asynchrony: it is a place of fractures, of abrupt transition, and yet it possesses the ability to change and the openness for what is yet to come.

Knowing and learning

The two artists first met in Düsseldorf at the Academy of Art, where Torsten Römer, a ­native of Aachen, initially studied under the painter Siegfried Anzinger. Nina Tangian, who had come to Germany from Moscow at the age of twelve and who had lived for some of the time in France, met Torsten on 15 February 1998 at the academy’s annual exhibition. When Nina asked him if he could explain to her how he worked and what he painted, Torsten Römer replied that she should just visit him in his studio and that he would explain his paintings to her there. However, he added, Nina should be sure to bring a dead hare with her. That was, of course, a reference to Joseph Beuys, the most famous professor at the academy, who had taught in Düsseldorf until his expulsion in 1972. Torsten Römer had thought of Beuys’s performance Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt (How to Explain Pictures to a Dead Hare) (Galerie Schmela, Düsseldorf, 1965). However, when she visited him Nina brought a deep-frozen chicken with her instead of the hare – a surrogate that she had bought from a fellow-student for DM 5. There is no record of what the two of them did with the chicken, but since that meeting Nina and Torsten Römer have been a couple both in real life and in their art. They soon started working together, and they both studied under A.R. Penck, who accepted them as an artist ‘double act’ and ­allowed them the freedom they needed. Their first joint attempts at painting were not always easy, as the couple relates today; they first had to get to know each other well and to become attuned to one another. Two universes encountered each other on the surface of the painting. In order to be able to paint together, the two individualists had to move closer together, to develop pictures and subjects and to find a common means of expres­sion. It was at this time that their first joint compositions were created: each of the two added parts of it or painted over the sketches and elements of the other. The artists relate how, in those days, they were sometimes annoyed when a successful motif or picture ­element disappeared overnight, because the other had added something new in its place; but increasingly the co-operation worked, was fun and thus eventually permitted them to arrive at a joint artistic development.
Römer + Römer are not the only artist couple to have been formed by the modern age and its art. Famous examples of the joint creativity of artists include the British couple Gilbert & George; Marina Abramovi ´ c and her partner Ulay worked together intensively for several years; and then there are the artist couples Emilia and Ilya Kabakov and Christo and Jeanne-Claude, who always appeared together. In order to work productively ­together as artists it is essential that there should be not only harmony but also tension between the partners; that they should develop a workable plan or concept, so that the joint effort becomes part of a development; and that they should remain attentive to each other, but without defining or isolating themselves too much. It was the modern age that brought forth the type of the radical artist who acts as an individual; a couple, on the other hand, reflects itself in a double presence. Of course that does not occur in a total symbiosis or with the mutual dependence of Siamese twins; it is rather like an ­independent monad, but in the best case it is a well-attuned team with common goals, that gains its strength from mutual support.

The move to Berlin – performances and actions

Even in Düsseldorf Römer + Römer began to develop performances in addition to their painting. In 2000 they moved together from the Rhineland to Berlin. Since the fall of the Wall the German capital has been an irresistible magnet for young artists and creative people from all the corners of the globe, because it offers undreamt-of opportunities for aesthetic and social experiments. During the 1990s Berlin became a global art metropolis alongside New York and London, a melting pot for people from all nations who wanted to try out their own unique and unusual ideas. Berlin has drive and tempo, a hint of anarchy and the nonconformist approach which has almost become a tradition here since the ­student movement of 1968. The city possesses a mythology which has clung to it since the Roaring Twenties, but it is also permeated by harsh reality. And Berlin also claims a ma­ture urbanity and countless historical and modern architectural complexes which bring to life in a tangible manner German history from the eighteenth century to the present day. Berlin’s attractiveness for young artists lies also in the fact that here, compared with other big cities, the rents for living and studio accommodation are still affordable. All this has led to the fact that Berlin, after almost three decades as a divided city, has been able to become once more an unconventional cultural metropolis, a town for new beginnings and change, ideally suited to young artists and their productions. Like no other city in Europe, Berlin has become a hub and interface between West and East, North and South. Berlin is a place of encounter, of confrontation and self-discovery – a city for the future which has unexpectedly risen from the ashes of the Cold War. Ernst Bloch once observed that Berlin is the city that can never be, but which is always becoming.
And so everyone with plans for something new will turn up in Berlin at some time or other – including Nina und Torsten Römer. Apart from their painting, the couple continues to pursue their studies of performance and action art, as well as appearing in the underground as curators and organisers of exhibitions. As a result of their commitment as organisers and performers they soon made the acquaintance of many of the artists who make up the Berlin scene. They made a name for themselves. The fact that they sought publicity confirms their attitude, that they were interested in communication and ­participation. They wanted to create their own new formats and platforms, because for Römer + Römer art is more than a well-painted picture or a successful exhibition in a gallery. Art is rather an all-encompassing plan, a form of experiment with new fields of play, the opening of spaces for possibilities, communication and conversation. The two artists are concerned with development and mediation. For Römer + Römer this is an ­existential condition: it is their way of life through art. Performances in particular offer an opportunity for such an expansion of the definition of art, because through them questions regarding content and form, meaning and social and societal relevance can be asked directly. Furthermore, performances always take place live, in the concreteness of time and place, in the moment of realisation and in the presence of an audience. With a performance it is possible to present one’s ideas to the public in a more radical way than is normally the case in an exhibition. The artistic genre of performance, as it has manifested itself to us in recent years, can be confrontational, spontaneous or meditational – in any case it appears well suited as a communication option for direct artistic issues, since a performance takes place for the general public in a public space. The reactions of the viewers are often unpredictable, especially when one leaves the partial publicness of the art scene.
In 2002 Römer + Römer carried out a provocative performance in Turin during the
Big Torino biennale, when they appeared wearing burqas covering their faces and bodies. The action took place as a reaction to the military operations after the 9/11 catastrophe in New York. The famous Italian artist Michelangelo Pistoletto had invited the Römers to Turin; he assisted and supported them in the execution of their performance. A short time later they also appeared in burqas in Berlin, then at an exhibition in Vladivostok, at the Biennial in Liverpool, during the Miami Art Fair in Florida and at a performance congress in Paris. Each time the public was irritated by the artists in their disguise. In Berlin the Römers appeared dressed in burqas at the Haus am Lützowplatz on the opening night of the 2002 exhibition Kunst und Schock – Der 11. September und das Geheimnis des Anderen (Art and Shock – 11 September and the Mystery of the Other). Photos of the action record a curious encounter with Otto Schily, the Federal Minister of the Interior at the time. While he was making his opening speech, his bodyguards gazed spellbound and with gloomy expressions at the disguised artist couple standing beside the minister. The Römers named these performances Infinite Justice and Enduring Freedom, in reference to the NATO campaign under U.S. command against the Afghani Taliban. The actions underline the political interest of Römer + Römer, who also began at that time to combine the star-shaped NATO symbol with Arabic characters in their painting, in order to express within their art a critical commentary on the willingness to wage war on all sides. In fact, a preoccupation with political symbols could already be observed in their work two years previously, when they incorporated the EC logo – the sign for electronic cash – into their pictures and defamiliarised it in a decorative fashion.
During the following year Nina and Torsten Römer organised a major exhibition project in which some 200 artists were involved. They invited curators from France, Russia and Germany to their Paradiesprojekt (Paradise Project), at which they established an international network. The preparations and follow-up for the six-week festival lasted for two years. The Paradiesprojekt then moved on to Munich, where it was realised in a reduced format. On both occasions it was held in old bunkers; in Berlin in a three-storey underground bunker beneath Alexanderplatz dating from the Second World War, which was still in operation during the GDR and which was to provide protection for members of the Politburo and the leading government members of the GDR in case of war. Without financial support Römer + Römer succeeded in creating a show which crossed the ­boundaries between all artistic genres and demonstrated a borderless definition of art which was not commercially oriented. Römer + Römer participated in the Paradies­projekt with their so-called Deutsch-Russische Knutschperformance (German-Russian Kissing Perfor­mance). During this happening various German-Russian couples participated in a public kissing and necking competition. As Nina Römer said, in this “hedonistic action” it is pos­sible to recognise a socio-political approach in the sense of “Make Love not War”, which challenges people to react to political contradictions with physical proximity, lust and love. It is by no means a question of abandoning the playing surfaces of life and war to politicians or the military, but of acting individually and actively, of occupying and re-evaluating political contexts. Perhaps herein lies the artist couple’s predilection for representations of demonstrations in their painting, since, without taking sides, Römer + Römer demonstrate a continued interest in non-parliamentary activities, for fringe groups and their struggle for recognition, for spontaneous, nonconformist forms of demonstration.
The two artists are not afraid of the “big shots” of politics: for the international art ­festival Der freie Wille, which they staged in Berlin in 2005 to mark the twentieth ­anniversary of Glasnost, they succeeded in persuading Mikhail Gorbachev, the initiator of glasnost and perestroika, as a speaker. Some sixty fine artists and performance artists, as well as numerous writers, performers and musicians, took part in the exhibition, which was held on the former occupied land on the border between Kreuzberg and Treptow.
For the exhibition Römer + Römer created the installation Unterirdischer Birkenwald (Subterranean Birch Forest) in an underground bunker in the immediate vicinity of the Spree.
They initially intended to carry out a Land Art project: a dyke was to be constructed to divert the Spree eastwards on a level with the bunker. One thousand Russian birch trees were to be planted in the dried-out river bed. The outer wall would have been replaced by a glass front along a total length of 150 metres, so that there would be a “free and idyllic view” from the inner room of the rapidly growing birch forest. All the approval processes had already been completed when soil samples indicated that because of the high pollution levels no trees would be able to grow on the bed of the diverted river Spree. So they would have had to clean the river bed, which would have been very time-consuming. As a preview of the project which they never actually realised, Römer + Römer produced a ­virtual version of their project for the exhibition Der freie Wille. On the long wall inside the bunker they mounted a wallcovering in the form of a picture of a birch forest. The wall­covering was created as a painting after a photo which had been taken in a Russian birch forest. Then the painted section of birch forest was reproduced photographically, so that the birch trees on the wallcovering resembled each other and were repeated. The interior room of the bunker had little windows surrounded by golden picture frames. Through the window-pictures thus created it was possible to look out directly at the river, which reached almost to the window reveals. Sounds and noises gave the birch forest inside the bunker a fairy-tale ambience, as did the figures dressed in “birch fashions” who hovered through the room. Unterirdischer Birkenwald was a utopian Land Art project which in its concrete realisation with the endlessly repeated, closely growing trees on the wallcovering also assumed an ironic aspect, since despite the transparency and permeability indicated by the expression “Glasnost”, something impenetrable and unpredictable was being shown.
During the past decade Nina and Torsten Römer have staged further performances and happenings. What is important for them (e.g. in the interactive installation Blind Date in Paradise, 2005), apart from the presentation of different artistic positions, is an intensive communication between all those involved, the establishment of networks – in other words, interaction and participation. In future Nina and Torsten Römer aim to continue to produce performance and action art, both aspects of their creative work. Their concept of art is not restricted only to painting. Although the production of painted pictures forms the central element in their work today, the aesthetic horizon of the pair extends considerably further – it includes various forms of representation and mediation which locate the presence and space of art almost everywhere. The artists treat social and political subjects just as seriously as they do, for example, the content and form-related questions of picture production.
However, there are lines of contact and connections between the performances and actions within the public space and the painting of Römer + Römer. These are not based only on the fact that it is the same artists who prepare a festival for weeks on end, take the stage with performances, and then soon afterwards set off to travel through foreign countries where they take photographs or paint impressive pictures. The connections lie deeper; they are based primarily in the targeted interest which Römer + Römer have in people – in society and politics, in communications and art – as a possibility for intervention and expression. We can conclude that the people whom they record by painting them in their pictures are also protagonists in performances and happenings. As participants in communal events – whether political demonstrations or theatrical presentations – we are all actors in a slice-of-life drama which we either write to suit ourselves or allow others to write for us. And we also perform in the plays and performances of others, in which we then mostly take a supporting role or appear as important principal actors and participate actively.
The interaction with the public and urban space, their changeability through advertising, the permanent availability of the media, the opportunities they open up to the individual, the forms of communication and the public debates of our time also make the thought seem plausible that people today often find themselves in strange interstitial areas, in an ambiguous situation, in the “in-between” situation which scarcely differentiates between identity and simulation. The definiteness of the roles which we take on is thus lost and we increasingly become performers of ourselves in media spaces, communication constructs and bogus architecture whose characteristics no longer lie in the stable, the long-lasting or the reliability of traditions, but in the moment and in multifunctions in a world of projections and hybrid phenomena. We live, as the situationist Guy Debord established at an early stage, in a “society of the spectacle”. It is developments of this kind that the art of the Römers seeks to encounter in their actions and by experimenting and researching in their painting.

The photograph and the computer – painting in progress

Nina and Torsten Römer belong to a generation of artists for whom technological visual media with their processing and documentary possibilities were available for the production of art as a matter of course, thereby creating new aesthetic conditions. The consequence for the art of the Römers was that they have developed their painting in a clear and concrete relationship to photography and the possibilities offered by the computer. Their painting has thus become a process of portrayal and representation which is very little influenced by direct inspiration, for example in the composition. Virtually everything is planned and calculated in advance. Before they start work on the canvas, they deter­mine the composition of a picture on the basis of the photo stored in their computer. Photography is therefore used with a view to its translation into painting. The artists’ intention is to make use of the most meaningful photos as references, which they will later transfer into the medium of oil painting. In this respect the art of Römer + Römer does not merely develop as a painting process, but starts with the photography and the picture processing. In their picture production, therefore, the process is a complex one, whose goal and result is the painted picture, but which requires during the production process various preparatory steps of a technical nature. Furthermore, it is through communication that the decision is made as to which motif and which section will later appear in which colour language on the canvas. The artist couple’s painting does not conceal the preliminary technical photographic work; it is expressed in the transferral into the painting and can be observed on the picture surface in the form of a painterly divisionism; in other words, in the accumulation of painted pixels, clearly outlined points of colour and surfaces, which in their complexity permit the impression of the painting to be formed and determined.
The process of picture production begins with the use of photographic and computer technology; it should certainly not be understood in terms of a traditional painting process, as an idea of ingenious invention or as the result of subjective introspection. Here, too, lie the modern and contemporary aspects of the art of Römer + Römer. Their art is subjective and individual above all in the choice of subject, and objective and rational in the realisation of the painting. Thus picture production is a form of processing of the canvas under the conditions of photographic technology together with their interpretation through painting technique. Even the photography is taken with a view to the potential painting which is to be created. Their journeys take place with the aim of acquiring usable photographic material. The Römers seek in a targeted manner the places and events which are of significance to them; for example, when they flew to Paris during the autumn of 2010 in order to take part in a demonstration by transsexuals; or when, shortly afterwards, they set off for Israel. Of course they are open to surprises and unexpected events while they are travelling. Above all they are interested in encounters with people and groups who design their lives in a non-conformist and unconventional way, and in the cross-over of cultures.
If we examine the series of pictures produced during recent years, we might come to the conclusion that the artists have recorded their travel impressions by examining the following question: “How does everything fit together and what is the place occupied by the story of our lives in this vast, changing world?” The question is indeed an important one and the artists’ answer is complex, polymorphous, by no means unequivocal. Their self-imposed task deals simultaneously with the known and the unknown which they encounter along their route: they were as amazed by the Koreans’ joie-de-vivre on a fairground not far from the tragic, clearly defined border with the northern part of the country as they were by the brightly coloured decorations at an Indian festival in a district of Paris, or a theatrically acted murder threat on the stage at a so-called Cosplay event, which they photographed in Beijing. In Morocco Römer + Römer were struck by the bright colours of everyday life amid the melancholy of the decayed architecture as well as by the way people did all sorts of things outside which in Germany are primarily carried out indoors – such as eating or playing table soccer. The artist couple’s gaze was drawn in all directions; it was open to everyday sights and apparent trivialities. What seems to be important for them is the fact that they were moved by a situation or a scene. Above all, however, the artists were interested in different forms of the public sphere. There are always large numbers of people in the picture, there are countless details, and in their ­pictures there is always a great deal happening. Their photography, which possesses a spontaneous, snapshot quality, thus provides the precondition, the backbone for a ­painting whose aim it is to touch the senses, to capture the emotions, and not merely to inform.
The art of Römer + Römer teaches us how it is possible to approach different cultures and their people respectfully, ultimately even with the result that we understand our own culture and its changes better. A perspective of this kind then differentiates less between our own culture and the foreign one, but recognises the dynamics and movement in the change – as a clue to and indicator of a developing world culture whose forms until now have only been recognisable in outline. Vitality and diversity, as well as synchronisation and uniformity, are the most obvious signs of this new global culture. Paradigms also arise for it because of the technical revolution, which not only produces it but also changes it, as also happens through the economic situation on our planet, about which much will no doubt be said in future.
With their unprejudiced view the artists develop an openness of presentation which is non-ideological, which has the quality of describing the complex concurrence of phenomena of reality but does not pass judgment on them too quickly – for, as always: things are in progress. Römer + Römer therefore show the phenomena of a new world from the point of view of outsiders who present and report. Another characteristic of their pictures is the density and complexity which they record in cities and at mass events. The representation of complexity in the picture later gives them the direct possibility of demonstrating their skill in the medium of painting. What is scarcely recognisable in the seething mass of colours on small-format photos becomes strangely tangible in the large-format painting, blatantly obvious and only comprehensible in the painterly compactness: this world – especially within the major metropolises – is full, packed full of people and things, making it appear as extremely concentrated and highly complex. All the many details which Römer + Römer depict in their pictures appear to be layered, condensed and constructed. In their painting style the artists follow this phenomenon which they have likewise recognised in the modern world in order to create an adequate image of it. But the painting evokes no stasis in this way – always, one has the impression, it is the present moment and the incipient movement which permanently engulf our life and its locations, that are reflected on and painted.
The details of such paintings can be recognised pin-sharp at a distance – but as one comes closer they reveal that they are made up of an incredible number of layers of paint, of thousands of dots and small patches of colour. Sometimes it seems as if the prevailing mood in these pictures is impressionist, but this impression arises above all as a result of a precisely calculated process. The impressive result is based on an analytical-objective painting style which works with the possibilities of the serial and the informal – precise dots of colour or strips – but also with a planar distribution of colours, sometimes in sharp contrast. The artists always work with rational pictorial means, even when optical impressions arise which appear psychedelic, so to speak, almost reminiscent of an LSD trip. This invariably occurs with the aspiration of achieving the utmost intensity in the representation, and with the intention of exercising a suggestive effect on the viewer. Römer + Römer’s painting does indeed become comprehensible for the viewer; it appears to come to life directly and to convince.

A picture archive of painting

The artistic process of painting as practised by Römer + Römer can be described as a close combination of technical possibilities of picture production and traditional orthodox painting methods. Both are equally important, but in the end it is only the painted picture that the viewer sees. To this day the two artists continue to employ the methods they
have created and developed over the past years. What has hitherto been the main dis­tinguish­ing feature of their work has acquired the continuity of staying power – a way
of painting in the light of and under the conditions of technological media, and a form of art which reflects and documents social reality in a subjective way.
Nina and Torsten Römer are extremely productive as painters. The production of a picture which consists of thousands of dots and tiny patches of colour takes time, but the highly concentrated work which shows progress on a daily basis also has a meditational aspect. Thus, over the years a wide-ranging and multifaceted oeuvre has been created in the artists’ studio – a remarkable picture archive of the world in our time. In this respect the couple’s work can be seen as an activity of reportage which documents the realistic depiction of reality as they experience it subjectively – a reality which is contradictory, full of fractures and sometimes even chaotic. The Römers’ painting represents a contribution to the pictorial culture of the early twenty-first century, the expression of a hybrid art form with regard to technology and subject, in which modern media create the preconditions so that contemporary painterly images can be created.

New historical pictures and crises

In recent years it has been possible to characterise the social and cultural situation in the prosperous countries of Europe with the catch phrase “electronic Biedermeier”, and thus to label a state in which revolutionary utopias, extreme political and aesthetic changes and radical avant-garde achievements were scarcely imaginable outside the technological sphere. Today there is a greater awareness that social deterioration and political ­radicalisation are increasingly occurring in a globalised world. Until 8 September 2008, the start of the financial and economic crisis, this affected primarily poor countries and emerging economies, but now the distribution battles are also becoming more acute in the Western democracies and the political climate is becoming harsher. Here we should think not only of the great changes occurring in the Arab world, but also of the unsolved problems and conflicts in the French suburbs, the mass unemployment in the United States, the massive dispute over nuclear and energy policies, the streams of refugees heading for Europe, the crisis in education, lobbyism and the completely unresolved future of the free markets. These are all conflicts which in the short or long term will drive people onto the streets and which will also be decided on the streets.
For this reason alone the subject of demonstration, as staged artistically by Römer + Römer, seems utterly topical and really runs counter to the predicted “electronic Bieder­meier” of the media age. And yet it is not quite as simple as that. Although politics today takes place on the street, we live in an age in which especially the media shape the notion of the public domain – more comprehensively and more effectively than was the case, for example, during the 1980s and 1990s. The influence of the media can be seen in intensive, short-lived waves of information, but also in a flattening understanding of democracy and political participation – in other words, areas which directly affect the concept of freedom. According to Hannah Arendt, the purpose of politics lies in the creation of freedom. To the extent that politics, the civic polis, increasingly fails to represent the public at large but becomes above all something brokered by the media, it acquires the character of a simulation, even when it argues increasingly pragmatically in the light of pressing problems in the burgeoning crises. Freedom, however, cannot be simulated. The art of Römer + Römer seems to take both this situation and this development into account. It shows demonstration marches in Berlin and elsewhere; it reports on them, but the artists do not always share the points of view, opinions and demands they represent.
Römer + Römer do have their own opinions and they also voice criticism unequivocally of the status quo, for example when they talk about the Mediaspree project in Berlin: “The picture Mediaspree versenken (Sink Mediaspree) reflects a typical demonstration scene in Berlin; it recalls a Carnival procession. A vast mass of people, lightly clothed, strolls along beside the float, an old green Mercedes with spotlights and balloons on the roof. Some of the people have partly stripped off because of the heat. The procession bursts through the quiet green avenue. Mediaspree is a large-scale investment building project on the Spree between Friedrichshain and Kreuzberg, against which a protest movement has formed called “Mediaspree” versenken. This initiative forced a referendum about the changes to the development proposal. So far only a large concert venue with the commercial name O2 World has been completed. The design of the area aroused negative attitudes towards Mediaspree on the part of many citizens; various groups are involved in the demonstrations. In order to implement the proposed project along the Spree in the lively Friedrichshain-Kreuzberg district, clubs are being demolished one by one. In some cases this even applies to protected buildings; large areas are being built on in such a way that they will never again be accessible to the general public. A demonstration of this kind has taken place on several occasions in Berlin – our pictures O tu mir das nicht an (Oh Don’t Do That to Me), Staat & Ehe Nein Danke (State and Marriage No Thanks). Bleiberecht für alle (Right to Stay for All!) and Spaßfraktion (Fun Party) show various groupings which attracted attention with their numerous actions until the city finally took some of the points into consideration.”
The Römers speak knowledgeably about their painting and its content, but also about other contexts and associations which are addressed in their pictures. It is by no means their intention to present simple, predetermined truths in their painting. They do not always identify themselves with the radical words and slogans on the demonstrators’ banners, but they express an opinion; they speak up on behalf of an open and multicultural society. However, with the view through the camera viewfinder presented in their painting they are above all adopting a documentary viewpoint. This distance corresponds in the painterly execution to a use of colour which is both analytical and incremental, in which colour values are placed side by side. Execution of this kind represents a tried and tested method of picture production, in order to provide information about reality through the picture.
At the latest since the 1960s many painters have made use of photos as references; prominent examples are Chuck Close, Gerhard Richter and Peter Doig. But even Vermeer worked with a camera obscura, as did both Canalettos for their paintings of city views. During the late nineteenth century, Manet and some of the other Impressionists used ­photos as references. Since then photography has seldom been an independent artistic me­dium, but it has nonetheless inspired painters. If the technique of painting after photo ­references is used consistently, the result is – as one can observe by looking backwards and right up to the present day – ever-new possibilities for gaining an original perspective.
This is the path the Römers adopt for their painting. In so doing they have recourse to the characteristics and potential of digital photography, through which special results are produced with regard to the colour contrasts and with which film-like sequences are made possible. At the same time Römer + Römer have studied the realistic and psychologically analytical painting of Edward Hopper, in whom they recognise one of the precursors of their art.
With their representation of demonstrations in large-format paintings Nina and Torsten Römer have also recast and reformulated the idea of the historical picture. This genre occupied a prominent position above all in the age before photography. In the painting of the last decade the historical painting seems to be experiencing a renaissance in the work of, for example, Daniel Richter, Neo Rauch and also the painting of the Römers. However, the auspices and in general the function is different than before the invention of photography. In this context Adolph Menzel, a modern painter during the nineteenth century, plays a special role for Römer + Römer, because he also shows in works such as Aufbahrung der Märzgefallenen (The Laying-Out of the Fallen March Revolutionaries, 1848) or Das Eisenwalzwerk (Iron Rolling Mill, 1875) not only crowd scenes, but above all “history from below” and adopts with his type of documentary painting a socio-political position. Thus the use of a historical genre that in feudal times served above all for the representation of and the claim to power is not a backward step, but is for Nina and Torsten Römer a possibility for producing a way of understanding current problems through a realistic and sympathetic description. Furthermore, the purpose of studying subjects such as crisis, conflict and the public sphere lies in a particular sort of self-orientation, examination and assurance, for when they are painting the two artists enter into an exchange about their perceptions of the present and the changing of reality.

A physiology of seeing and enlightenment

We can see that through their photography Römer + Römer introduce pictures of the outside world into their studio and transform them by means of a media and craft-based process into painting, producing works which bear a concrete relationship to the refer­ence photo. But what sort of relationship is it, what determines it, and what meaning is created during the artistic transformation?
Through their painting they create pictures which precisely reproduce the content of the reference photos. However, this is carried out in large format and with the character of oil paint, which not only colours the surface of the canvas but also structures it by adding texture. In the painting of Römer + Römer this imitation does not take the form of hyperrealism like that practised by artists such as Franz Gertsch and Donald Eddy, who portrayed every detail with great precision; instead, they work by analogy or by creating an approximation of physiological seeing. As far as their painting technique is concerned this occurs through the juxtaposition of individual, sometimes contrasting colour values, which when taken together precisely describe a particular picture element with regard to what is being represented. With this form of representation Römer + Römer seem to be reacting to the physiological aspects of seeing; in other words, an activity which takes place within a very small area at a time, point by point. The act of seeing and perceiving consists of a highly complicated interaction of neural, cerebral and psychic activity and behaviour. In Römer + Römer’s painting it is therefore a form of presenting and making visible the qualities and skills of physiological seeing, perceiving and recognising that require a particular position on the part of the viewer, a defined proximity to or distance from the subject of the picture, in order for the visual and conceptual recognition of the content to function. At this point, in contrast to the hyperrealists, the reference photo is no longer the binding model but is used only in the sense of a tool made fertile through interventions and changes on the computer.
With this form of representation the artists give to the viewer a specific position which more or less corresponds to that where the photographer stood. Of course the viewer does not have to comply with these instructions about where to stand, but only from a position which is some distance away can one gain an overview of the entire proceedings and see a sharply focused picture with all its details. Other viewing positions, especially closer ones, show the picture dissolved into its component elements, in the extreme case as a non-representative field of colour full of abstract signs and patches of colour. That leads to a divergent manner of seeing, but not to a perception of the picture content. In the light of this idea, the Römers’ paintings become objects as well as places of analysis for the processes of physiological perception and visual recognition. Correspondingly, by seeing and looking at their painting a particular form of enlightenment takes place – the enlightenment of seeing and understanding.

Picture characteristics

Compared with the photo reference, the painted large-format picture possesses sensuous qualities which point as a whole in the direction of an emotionalisation and the associ­ated increase in significance. This emotionalisation occurs in the art of Nina and Torsten Römer, then, also as a result of the colour and surface structure and their tactile qualities. For Römer + Römer this process of emotionalisation proceeds, however, in measured steps, since it also encounters its counterpart: the analytical rationality in the application of the paint and the offer to the viewer to become involved with the more physiological aspects and qualities of their painting. By means of the analytical application of paint the viewer is confronted with the rationality of such painting, parallel to the emotionality of the picture content. The emotional elements in the representation thus gain an immanent control, even a criticism. Thus there arises in the picture a counterpart and contradiction between content, in other words the subject, and its rational execution through a con­scious presentation in the composition, through colour and format – that is to say ­possibilities which have an emotional effect but can also be analysed rationally. The art
of the Römers arises in the production process, in the rationality of a concept, on the basis of which it forms one of the artists’ consciously developed forms of “staging”. The apparent contradiction between emotion and rationality in this painting is thus passed on by Römer + Römer to the viewers like an offer, like a question awaiting an answer. But in this hybrid constellation in the border zone between emotion and reason we are hardly in a position to decide finally where one area begins and the other ends. This contradiction, the dilemma described here, occurs, however, in the pictures, and disintegrates when one regards the apparently separate areas as two sides of the same coin, as necessary and essential complements, without which this type of painting would not be possible. Only in cooperation and in seeing together can the full reality of the painting and the art of Nina and Torsten Römer take place.
Herein lie, then, the real basis and quality of their artistic activities, which possess a socio-medial character, but argue at the same time with emotionality, sensuality and rationality.

 

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