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  • Römer+Römer „Deutsch-Russische Knutschperformance“, 2003 русский

Nina und Torsten küssend vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park,  Foto – Annette Hornischer, 2003

Anfang 2003, im ersten Jahr der zwischen den Präsidenten Rau und Putin beschlossenen offiziellen Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen, begann das Künstlerpaar Römer+Römer die „Deutsch-Russische Knutschperformance“. Zunächst inszenierten die Römer sich selbst in roter Kleidung knutschend in verschiedenen Kontexten, so auf dem türkischen Markt und auf der Strasse in Berlin-Kreuzberg oder vor dem bekannten sowjetischen Ehrendenkmal in Berlin-Treptow. Die Frankfurter Fotografin Annette Hornischer lichtete sie dabei ab. Das Künstlerpaar führt sich mit diesen Fotos in ihrer „zwischenstaatlichen Identität“ ironisch als vorbildhaftes deutsch-russisches Paar vor. Auf eine spielerische Weise beschäftigen sich die Künstler mit Klischees von nationalen Identitäten. Im Spannungsfeld zwischen Privatem und Öffentlichen thematisieren sie, wie in einer interkulturellen Beziehung Vorurteile und nationale Konflikte im täglichen Zusammenleben aufgearbeitet werden. In Zeiten, in denen der Ost-West-Gegensatz zwar überwunden zu sein scheint, aber die Angst vor neuen „kalten Tagen“ immer im Raum steht, behaupten die Künstler, dass interkulturelle Liebesbeziehungen die stärksten Keimzellen der Völkerverständigung bilden. Diese überdauern auch kurzfristige Kulturabkommen.

Bestückt mit den oben erwähnten Fotos, die sie bereits an verschiedensten Orten ausgestellt haben, suchten die Römer weitere Deutsch-Russische Paare für die Knutschperformance. Im Internet, in Zeitungen und mit selbst gedruckten Karten suchten sie nach 50 freiwilligen Paaren (Hetero-, wie Homosexuell). Singles waren ebenfalls willkommen. Im Bunker unter dem Berliner Alexanderplatz fand am 2. Oktober 2003 um 22 Uhr die Knutschperformance schließlich das erste Mal statt. Eine dreiköpfige Jury angeführt von Ekatherina Beliaeva, der „Herrscherin des Inneren Russlands“, bewertete die Paare nach verschiedenen Kriterien, verlieh den Gewinnern Preise und stellte ihnen Urkunden aus. Die erste deutsch-russische Knutschperformance war eine freie Feier der Sinnlichkeit, der Archaik und der Akrobatik des Kusses. Die Spielregeln waren nicht starr festgelegt und wurden für den zweiten Wettbewerb, der exakt einen Monat später stattfand, modifiziert. David Riff stellte dafür eine neue Jury zusammen, wobei jedem der fünf Jurymitglied zur Bewertung der Paare eine eigene Kernkompetenz zugewiesen wurde. Bewertet wurde nach den Kriterien: ERFINDUNGSREICHTUM / LEIDENSCHAFT / ÄSTHETIK / TECHNIK / AUSDAUER. Es wurden Noten von 1 bis 10 vergeben, der Kuss wurde somit zu einem messbaren Wert. Das Gewinnerpaar berechnete sich aus der Addition der jeweiligen Noten. Die zweite Knutschperformance glich einem sportlichen Wettkampf, den die Akteure nicht unsinnlich aber sehr ernsthaft betrieben haben. Das Punktbeste Paar wurde zum stolzen Gewinner einer Schlagbohrmaschine.

Die dritte Knutschperformance fand im Berliner Wachsfigurenkabinett statt. Auf den Spuren von Dostojewski und Turgenjew – Spiel, Spaß und Leidenschaft – wurde die vierte Folge der „Deutsch-Russischen Knutschperformance“ in Baden-Baden veranstaltet. Ausgewählte Paare der letzten zwei Wettbewerbe wurden zum Kurort eingeladen, um an dem idyllischen Ort zu knutschen.

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