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  • Viktor Kirchmeier „(V)erklärte Bilder“, 2000

Man könnte sagen der gute Geist Josef Beuys brachte die beiden Künstler zusammen. Es passierte am 15.02.1998 auf der Jahresausstellung in der Kunstakademie in Düsseldorf, wo noch in den 70er Jahren der Schamane vom Niederrhein lehrte. Die berühmte Aktion in der Beuys einem toten Hasen seine Bilder erklärte war das Stichwort für ein Gespräch, als Nina Torsten gebeten hat, ihr seine Bilder zu erklären. Einen Hasen hatte Nina nicht dabei. Stattdessen fand ein gefrorenes Huhn Verwendung. Das wurde als Multiple bei einem Künstlerkollegen für 5 Deutschmark erstanden. Seit dem Moment war für beide alles klar um die Kunst und auch ums Leben. Seit zweieinhalb Jahren sind Torsten und Nina Römer (geb. Tangian) ein Paar und malen zusammen. Aber was die beiden Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie zusammenhält, ist stärker als der Kooperationsgeist, der Picasso und Braque einst zusammenbrachte.

Und sie meinen es ernst auch mit der Malerei. Beim Betrachten vieler Bilder scheint der Blick der Künstler ins Innere gerichtet, in die Tiefe, in der sich manchmal ein ganzes Universum öffnet. Der Umgang mit Farben ist weitgehend intuitiv. Auf ihren Gemeinschaftsbildern verschmelzen Zeichen und Muster, Abstraktes und Dekoratives, Gestisches und Sinnliches. Die beiden jungen Künstler nutzen keinen durchgehend einheitlichen Stil. Abstrakte Motive, Zeichen und Flecken sind in Farbschichten übereinandergelagert- und geflossen. Einige Bilder erscheinen wie gemalte Gedanken oder Musik der Sphären, andere erinnern an Kriechspuren unbekannter Wesen Die Mehrschichtigkeit des Farbauftrags mit Öl, Acryl, Pigment, Metallfarbe und manchmal auch Ölkreide ergeben interessante Oberflächenbeschaffenheiten der Bilder. Manchmal wird die Farbe gestisch in manipulierten „drips“ aufgetragen und verläuft zu geäderten, netzartigen Mustern. Das Auge findet in Details Knoten und Strukturen, woran es sich aufhält, um nicht zu vergessen, wie stofflich diese Malerei ist. Haptische Effekte – grobe Farbflächen und Striche, spitze Farb- und Pigmenttupfer fangen den Blick und testen die Grenze zwischen Malerei und Skulptur.

Wenn man in die Vergangenheit blickt und Vergleiche anstellt, und solche Vergleiche helfen manchmal doch die gegenwärtige Kunst zu durchleuchten, dann siegt hier, in den vorwiegend abstrakten Arbeiten mit buntgeaderten Flächen, nicht der malerische Radikalismus und die gestische Schnelligkeit Jackson Pollocks, sondern vielleicht die gemalten Träume C. G. Jungs, die Liebe zum Ornament von Gustav Klimts, die Verworrenheit der Präraffaeliten, aber auch manchmal die surrealen plastischen Reize eines Max Ernst.
Die unvermindert wichtige Auseinandersetzung mit abstraktem Expressionismus, Pop-Art, oder geometrischer Abstraktion findet bei dem Paar Römer in Konfrontation mit aktuellen visuellen und akustischen Erfahrungen – Technokultur, Computerbildern, Graffiti, orientalischer Ornamentik, Neuer Psychedelik und New Age Einflüssen statt.

In einer aktuellen Serie steht das Symbol des schnöden Plastikmammons „EC“ im Mittelpunkt. Dem „electronic cash“ wird mit dem traditionellen Medium der Malerei gehuldigt. Mit subversivem Charme werden in den Bildern der Serie kulturelle Codes als Zeichen, Ornament und Farbfelder verschmolzen. Die Ästhetisierung von Logos, Markennamen und Produkten wird verballhornt. Zur Zeit arbeiten Nina und Torsten an einer neuen Serie von Bildern und spielen mit Zeichen, die ihre Namen bedeuten. Eine doppelte Ironie, die den Gedanken der EC-Serie in gewisser Weise fortführt. Sofern man in der Kunst, im Gegensatz zur Wirtschaft, gewohnt ist, das Markenzeichen zu kaschieren, möchte doch andererseits jeder, dass sein Stil respektive Verzicht auf den Stil, als Markenzeichen erkannt wird. In diesen Bildern, die Ausschnitten aus vielfach mit Graffiti bekritzelten und wieder gereinigten Flächen ähneln, stecken die Künstler ihre Reviere ab, die sich immer überschneiden. Das reziproke Verhältnis im gemeinsamen Schaffensprozess wird sichtbar, die „gemeinsame Reviersverwaltung“ wird manifestiert.

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